Interview mit Baya Teil II

Und welche Ähnlichkeit gibt es mit deinem Vater?

Er stammt aus Algerien. Leider erlebt er immer wieder Beleidigungen aufgrund seiner Herkunft. Letztens hat ein fremder Mann auf unseren Parkplatz gepinkelt. Mein Vater forderte ihn auf, das zu unterlassen. Da beschimpfte ihn der Mann als Ausländer, er soll dahin gehen, wo er herkommt und drohte ihm sogar, den Kopf abzureißen. Mein Vater blieb ganz ruhig. Etwas Anderes: In seinem Beruf betreut er junge Menschen mit Behinderung. Und auch die muss er immer wieder vor Diskriminierungen in Schutz nehmen.

Was machen solche Erfahrungen mit dir? Sagst du dir: Jetzt engagiere ich mich erst recht! Oder schüchtern sie dich ein?

Beides. Es macht mir schon Angst. Aber meine Eltern sagen mir, dass man was tun muss, weil sich sonst nichts ändert.

Was würdest du Menschen sagen, die behaupten, dass sich Kinder und Jugendliche nicht für Politik interessieren?

Dass es nicht stimmt. Es muss ihnen nur verständlicher erklärt werden. Deshalb würde ich mir auch wünschen, dass an den Schulen Politik als festes Fach eingeführt wird.

In der Bewerbung zitierst du das Grundgesetz und erklärst, dass Klassensprecher an sich viel mit Demokratie zu tun haben. Woher kommt es, dass du dich so gut auskennst?

Ich gebe zu, dass das früher noch nicht so war. Das schien mir zu kompliziert. Aber in diesem Schuljahr ist das anders. Wir hatten Politik auch im Geschichtsunterricht. Dann gab es ja vor kurzem die Europawahl. Seit dem finde ich das spannend. Meine Eltern reden auch viel mit mir über Politik.

Weißt du schon, was du mal werden willst?

Es gibt verschiedene Dinge. Lange wollte ich Autorin werden. Ich weiß aber nicht, ob man da genügend Geld verdienen kann. Viele sagen, ich hätte eine angenehme Stimme. Deshalb kann ich mir auch vorstellen, Synchron-Sprecherin zu werden. Auch Journalistin finde ich spannend.

Du hast mit anderen ein Schülerradio gegründet. Erzähl uns doch bitte davon!

Das Projekt haben wir vor relativ kurzer Zeit mit einer paar anderen Schülern auf der Gesamtschülervertretungsfahrt gestartet.  Wir wollen ein Podcast machen. Die ersten Aufnahmen haben wir schon. Es geht um die „Fridays for Future“. Das müssen wir noch schneiden und dann veröffentlichen.

Welche drei Tipps würdest du anderen Klassensprechern geben?

Erstens, dass sie immer im Team arbeiten sollten. Zweitens, dass sie immer die Meinung der Klasse vertreten sollen und sich mit ihrer eigenen zurückhalten sollten, wenn diese nicht mit der Klasse übereinstimmt. Und drittens, dass sie immer nah dran an den Mitschülern sein sollen.

Glaubst du, dass das Amt der Klassensprecherin Auswirkungen auf eine Persönlichkeit hat?

Ich denke schon. Man lernt, Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig wird man offener, lernt viele Menschen kennen.  Das kann einem für später nur helfen.