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Interview mit der Klassensprecherin des Jahres 2018/19 Baya Lou Ouadhi

Die erst 13jährige Schülerin Baya Lou Ouadhi ist am Mittwoch Berlins Klassensprecherin des Schuljahrs 2018/19 geworden. Sie besucht die siebte Klasse des Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums in Pankow. Im Gespräch erzählt sie von sich, vom Klassensprecheramt, der Politik und ihren Kampf gegen Diskriminierung.

Herzlichen Glückwunsch, Baya! Du bist Berlins Klassensprecherin des Jahres!

Vielen Dank. Ich konnte es erstmal gar nicht richtig fassen. Ich möchte mich auf jeden Fall bei meiner Familie, den Freunden und meiner ganzen Klasse bedanken. Ohne die wäre ich das nie geworden.

Erzähl doch, wie das alles überhaupt zustande kam.

Mein Klassenlehrer hat mir und dem anderen Klassensprecher unserer Klasse einen Flyer mitgebracht. Er wollte, dass wir uns bewerben, weil wir unseren Job gut machen. Das haben wir gemacht. Beim Online-Voting habe ich dann gesehen, dass andere Bewerber schon richtig viele Stimmen haben. Da habe ich dann richtig viel Werbung gemacht. Ich habe in den Klassenchat den Link gesetzt, habe all meinen Freunden Bescheid gegeben. Meine Mutter ist Physiotherapeutin und die hat ihre Patienten auch dazu aufgerufen. Da gab es sogar einen, der ziemlich prominent ist. Der hat das auf seinen Twitter-Account geteilt. Es kann also sein, dass ich auch Stimmen aus dem Ausland bekam.

Und wie lief es bei der Preisverleihung, als die ersten zwei Preise schon vergeben wurden?

Ich fand, dass Petar (der Drittplatzierte) wirklich einen Preis verdient hat. Als dann Maxi den zweiten Preis bekam, dachte ich, dass ich selbst leer ausgehen würde. Meiner Meinung hätte Maxi den ersten Preis verdient gehabt. Umso überraschter war ich dann.

Wie hat dein Umfeld auf den Preis reagiert?

Eine Mitschülerin, die bei der Preisverleihung mit dabei war, hat das per Video aufgenommen und direkt in den Klassenchat gepostet. Da ging es dann ab. Alle haben kommentiert: Glückwunsch, OMG, das habe ich von Anfang an gedacht und so weiter. Und meine Mama hat es erst gar nicht geglaubt. Gestern habe ich dann mit ein paar Freundinnen im Park gefeiert. Den Preis, das Ende des Schuljahrs und den Sommer.

Wird sich etwas bei dir durch den Preis ändern?

Ich glaube schon. Nun möchte ich noch mehr Dinge anstoßen. Ich fühle schon eine besondere Verantwortung. Ich würde gerne mit anderen ein paar Projekte gegen Diskriminierung starten. Vielleicht kann man so etwas wie Projekttage organisieren.  Und auf jeden Fall werde ich mich im nächsten Jahr wieder zur Wahl stellen.

Für die Jury war dein Engagement gegen Diskriminierung ein ganz entscheidender Punkt, dich zu wählen. Von deiner Mutter habe ich erfahren, dass auch sie sich gegen Rassismus in welcher Form auch immer einsetzt. Wie ähnlich seid ihr euch?

Ja, vielleicht habe ich das von ihr. Ich versuche auch, meine Meinung zu sagen, wenn ich Unrecht sehe. Aber meine Mutter ist schon sehr mutig. Sie mischt sich auch ein, wenn sie im Alltag, auf der Straße Diskriminierung beobachtet. Ich weiß nicht, ob ich das bei Erwachsenen könnte.

Im zweiten Teil des Interviews spricht Baya von ihrem Vater und gibt Tipps für Klassensprecher.